Zwischen Heimweh und Fernweh
"Heimweh ist die Sehnsucht in der Fremde, wieder in der Heimat zu sein." - "Fernweh ist die Sehnsucht nach fernen Ländern.", dass ist was das Internet mir verkündet. Es ist eines dieser eher sensiblen, meist unausgesprochenen Themen, eines von diesen die für tiefes schweigen an Tischen in Hotels sorgen und mir den ein oder anderen seltsamen Blick eingebracht haben. Bevor ich anfing Deutschland für Monate zu verlassen hatte ich mich nie wirklich damit befasst, denn es war mir in dieser Zeit absolut nicht bewusst, dass es Fernweh war welches mich antrieb. Es liegt so viel zwischen diesen beiden Begriffen und doch kommt das eine kaum ohne das andere daher. Das Gefühl von Heimweh lernen die meisten Menschen wohl relativ früh kennen. Das erste mal bei der besten Freundin schlafen und dann eben nicht schlafen können oder auf der erste Klassenfahrt heimlich ins Kissen weinen. Das Gefühl von einfach nur an diesen so vertrauten Ort zurück wollen ist mir schmerzlich bekannt. Ich bin nicht der Meinung das dies etwas ist wofür ich mich in irgendeiner Art und Weise schämen müsste. Ich mag Vertrautheit, ich mag Gewohnheit und Konstantes. Es gibt mir Sicherheit und als ein unsicherer Mensch brauche ich diese wohl mehr als andere. Natürlich bin ich mit der Zeit aus dieser extremen Form des Heimwehs ‚heraus gewachsen‘, habe gelernt was mir hilft (ein Hoch auf Skype) und auch es zu zulassen. Familie und alte Freunde sind wichtig und gerade beim Reisen, was nun einmal ständige Veränderung bedeutet, sollte man sich diese Art der Konstante beibehalten. Dies ist natürlich nur meine Sicht der Dinge. Ich bin auf Menschen gestoßen die sich in sechs Monaten nicht ein einziges mal bei ihren Eltern gemeldet hatten. Was, solange die Verhältnisse normal / gut sind, meiner Meinung nach absolut ungesund ist. Es reisst einem so viel leichter den Boden weg, wenn man seine Wurzeln nicht pflegt. Die Meinungen spalten sich hier natürlich, denn genauso gibt es mit Sicherheit Personen die mein wöchentliches Gespräch nach Hause für völlig übertrieben halten,“ Wie kannst du denn so überhaupt loslassen?“ wurde ich des öfteren gefragt. Dabei ist vor allem die Tatsache entscheidend, dass ich nicht von zu Hause geflohen bin. Ich bin nicht gegangen um dem zu Entkommen was dort war. Es war eine Entscheidung aus reiner Neugierde heraus, zumindest zunächst. Hingegen war Fernweh mir lange überhaupt kein Begriff, dies ist etwas das mir zum Ersten mal in Asien begegnet ist. Menschen die nicht still stehen können. Menschen die es kaum erwarten können das nächste Land, den nächsten Kontinent zu entdecken. Das tiefe Verlangen nach mehr und mehr Eindrücken, Kultur, Menschen, Leben. Es ergriff mich langsam, schlich sich mehr und mehr in meine Welt. Es stimmt schon wenn Backpacker von Reisesucht sprechen. Nun ist jeder Mensch unterschiedlich, manche verspüren vielleicht keines dieser beiden Gefühle jemals, andere nur eins der beiden oder eines stärker als das andere. Mein Fernweh hat sich mit der Zeit definitiv über mein Heimweh gebaut, jede neue Stadt hat in mir das Verlangen nach mehr geweckt. Als ich also nach über drei Monaten wieder nach Hause kam hatte ich vom ersten Moment an nur diesen einen Gedanken ‚wie komme ich so schnell wie möglich wieder raus hier.?’ Das Gefühl von Unabhängigkeit, Freiheit, Bewegung sollte nicht abbrechen. Ich wollte mehr sehen, mehr wissen, mehr erleben. Fernweh. Fünf Monate später bin ich seit sieben Wochen in Süd Afrika und der erste Moment von Heimweh hat mich gepackt. Nun hat sich diese Gefühl über die Jahre verändert, ist von einem dringenden Bedürfnis nach Sicherheit in ein einfaches Verlangen nach einer Tasse Kaffee mit meiner Mama oder einer Unterhaltung über den neuen X-Men Film mit meinem Papa geworden. Es ist kein völliges nach Hause sehnen, denn ich weiß das dort mein Fernweh mich wieder fort treiben würde. Zu Hause ist nicht mehr der Ort an dem ich aufgewachsen bin sondern die Menschen welche immer in meinem Rücken stehen. So wird man ab und zu von diesen beiden Gegensätzen zerrissen, nicht wirklich im klaren darüber welchem man nachgeben sollte. Ich für meinen Teil habe mich von meinem Fernweh hinreissen lassen, kann nicht still stehen und will es auch nicht mehr. Aber mein wöchentliches Gespräch lasse ich mir nicht nehmen, denn Heimweh ist wie ein fieser kleiner Geist der sich nachts an dein Bett setzt, egal auf welchem Kontinent du bist.

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